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Patchwork-Familie - nur Friede und Freude?

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Patchwork Wirkung Umfeld

Unter einer Patchwork-Familie versteht man getrennt lebende Elternteile, die mit einem neuen Partner und den Kindern zusammenleben. Wenn Eltern auf diesem Wege eine neue Familie finden, ist dies im Grunde eine schöne neue Situation und besondere Chance. Doch dieses harmlose Wort „Patchwork-Familie“ ist vor allem bei den Kindern mit Schmerz und Ängsten verbunden.

Leider ist für viele Ehepaare mittlerweile eine Scheidung eine Entscheidung, die schnell und oft getroffen wird. Was vor einigen Jahrzehnten noch als Ausnahme und besonderem Familienstand angesehen worden ist, gilt heute als ganz normal. Die Rechnung für diese Entscheidung tragen vor allem die Kinder, für die eine Scheidung immer eine Tragödie ist, denn oftmals sehen die Kinder den Grund für die Trennung bei sich selbst und werden von einem enormen Schuldgefühl geplagt.

Patchwork-Familie ist ein modernes Wort, das die Tragödie für die Kinder nicht so schwierig aussehen lässt und für das neue Paar ein besseres Gefühl vermittelt. Doch für ein Scheidungskind ist die neue Familienkonstellation kein richtiger Trost, denn es fehlt trotzdem ein wichtiger Elternteil und eine Bezugsperson, welche die neue Partnerin oder ein neuer Partner niemals ersetzen kann. Auch wenn das Kind in den ersten Wochen oder Monaten in der neuen Familiensituation vermehrt in den Mittelpunkt rückt und man es mit Aktivitäten und Erlebnissen in Hülle und Fülle positiv beeinflussen möchte - was temporär auch erreicht wird - spendet es dem Kind dennoch keinen Trost und ist eine wahre Tragödie.

Schutz und Sicherheit

Für ein Kind sind der Schutz und die Sicherheit in seiner überschaubaren kleinen Welt ein wichtiges Element in der individuellen Entwicklung. Dazu gehört auch das Recht nach einem Vater und einer Mutter. Der Wunsch nach einem Stiefvater oder einer Stiefmutter liegt nicht in seiner Natur und stellt ein völlig unrealistisches Familienbild dar. Vater, Mutter und das behütete „Familiennest“ bieten dem Kind die nötige Sicherheit und Stabilität, die es braucht. Eine Scheidung oder Trennung der Eltern ist ein wahrer Schock, welcher das Leben des Kindes völlig aus den Bahnen wirft und die stabile sichere Welt zum Einstürzen bringt.

„Die Zeit heilt alle Wunden“, ist ein Mythos, der hier mit Sicherheit nicht zutrifft. Doch die Eltern hegen die verzweifelte Hoffnung, dass ihr Kind den Schmerz der Trennung irgendwann überwinden wird. Dieser Riss in der Familienbiografie kann aber nicht gekittet werden und bei manchen Kindern wird diese Wunde ein Leben lang nicht verheilen. Mit Sicherheit sind Herausforderungen und Krisen wichtige Erfahrungen für ein Kind, welche den Charakter stärken und es auf das raue Leben als Erwachsener vorbereiten. Aber die Erfahrung von Trennung und Scheidung müssten nicht sein, denn damit werden die Grundwerte einer Familie erschüttert und das Kind verliert das Vertrauen zu den leiblichen Eltern.

Der unerfüllte Wunsch und Glaube

Der Wunsch und Glaube an eine gut funktionierende Patchwork-Familie ist kaum zu erfüllen, denn Scheidungskinder neigen stärker zu Depressionen, einer erhöhten Suchtgefahr und bergen ein höheres Risiko, als Jugendliche kriminell zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut die neue Familie funktionieren mag und wie gut der Zugang zur Stiefmutter oder Stiefvater ist. Die Tatsache, dass es ein Scheidungskind ist, kann nicht wegdiskutiert werden. In Patchwork-Familien ist die Bindung zu den Eltern nicht so stark ausgeprägt und häufiger werden weniger klare Grenzen gesetzt, welche zu den wichtigen Elementen einer gesunden Entwicklung des Kindes gehören.

Eine weitere Hoffnung der Erwachsenen in einer Patchwork-Familie ist, dass sich die Kinder gesund entwickeln, solange die Sorge und Obhut von zwei Erwachsenen vorhanden ist. Doch viele Scheidungskinder können kein stabiles Selbstbewusstsein entwickeln, sind misstrauisch und fürchten jede Art von Beziehungen. Sie möchten sich keinem anderen Menschen öffnen, da sie eine grosse Angst davor haben verletzt zu werden. Die traurige Wahrheit zeigt, dass sich bei diesen Kindern das Unglück ihrer Eltern wiederholt: Die Ehen von Scheidungskindern werden doppelt so häufig geschieden, was zwangsläufig bedeutet, dass die Scheidungen weiterhin zunehmen werden und die Wahrscheinlichkeit einer intakten Familie unaufhaltsam abnimmt.

Die Kinder bezahlen die Rechnung

Unsere Gesellschaft befindet sich auf einem Weg mit unbekanntem Ziel. Diese Situation ist völlig unergründet und das Ausmass ist unvorhersehbar. Wir erkennen das Scheitern einer Ehe heute nicht mehr als wahre Tragödie, sondern mittlerweile als ganz normalen Lebenszyklus einer Beziehung, auch wenn allen das Trauma der Trennung auf das Kind bekannt ist. Das Scheitern wird mehr als neue Chance zum Lebensglück angesehen, wobei die Kinder die Rechnung dieser gesellschaftlichen Tendenz bezahlen müssen.

Die wahren Entwicklungsdifferenzen von Kindern einer intakten und gescheiterten Familie sind erst auf der Oberfläche erkannt worden. Welche Auswirkungen verschiedene Familienbindungen auf ein Kind haben, ist bei Weitem noch nicht erkannt. Wenn Kinder in einer Situation aufwachsen, in der sie das Gefühl haben, ihr Leben kann jeden Moment erneut erschüttert werden, ständig alles infrage gestellt wird und das Gefühl für Bindungen, Liebe und Solidarität verloren ist, ist die Tragweite auf den Charakter und das Wesen nicht vorauszusehen. In der neuen und immer stärker werdenden Patchwork-Gesellschaft werden Vertrauen und Verlässlichkeit keine verlässliche Währung mehr sein. Vielmehr werden Misstrauen und Beziehungsunfähigkeit neue Charakteristika der Gesellschaft werden.

Bildquelle: PublicDomainPictures / pixabay.com

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